Der Säure-Basen-Haushalt sorgt dafür, dass der pH-Wert im Blut und im Gewebe in engen Grenzen stabil bleibt. Das ist lebenswichtig, weil Enzyme, Stoffwechsel und Nervenleitung nur in diesem Bereich richtig funktionieren. Lunge, Nieren und Puffersysteme im Blut arbeiten dafür ständig zusammen.
Warum ist das wichtig?
Viele Ratgeber behaupten, moderne Ernährung mit Fleisch, Getreide, Käse, Kaffee und Zucker führe zu einer chronischen Übersäuerung. Diese soll Müdigkeit, Cellulite, Gelenkschmerzen oder Osteoporose verursachen. Beworben werden basische Diäten, Basenpulver und Basenbäder. Wissenschaftlich lässt sich eine solche latente Übersäuerung bei gesunden Menschen nicht nachweisen. Die Nieren scheiden überschüssige Säuren zuverlässig aus.
Zahlen und Referenzwerte
Der pH-Wert des Blutes liegt zwischen 7,35 und 7,45. Echte Störungen wie eine Azidose treten nur bei ernsthaften Erkrankungen auf, etwa bei entgleistem Diabetes, schwerer Nierenschwäche oder Lungenerkrankungen. Sie sind medizinische Notfälle und nicht durch Ernährung ausgelöst. Der pH-Wert des Urins schwankt dagegen je nach Mahlzeit zwischen etwa 5 und 8 und ist kein Maß für den Säure-Basen-Status des Körpers.
Was bedeutet das im Alltag?
Basisch wirkende Lebensmittel wie Gemüse und Obst sind wertvoll, weil sie Ballaststoffe, Vitamine, Kalium und sekundäre Pflanzenstoffe liefern. Diese Vorteile gelten unabhängig von der Säure-Basen-These. Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten und moderaten Mengen Fleisch und Käse ist aus vielen Gründen empfehlenswert. Basenpulver brauchen gesunde Menschen nicht.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Ob ein Lebensmittel sauer schmeckt, sagt nichts über seine Wirkung im Stoffwechsel aus. Zitronen gelten als basisch, Käse als säurebildend. Mit dem sogenannten PRAL-Wert (PRAL: Potential Renal Acid Load, geschätzte Säurelast) lässt sich die Säurelast eines Lebensmittels schätzen, für gesunde Menschen hat er jedoch kaum praktische Bedeutung.