Die anti-entzündliche Ernährung ist ein beliebtes Schlagwort. Gemeint ist eine Kost, die stille, niedriggradige Entzündungen im Körper verringern soll. Solche Entzündungsprozesse werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Fettleber und Gelenkbeschwerden in Verbindung gebracht.
Warum ist das wichtig?
Ernährungsmuster wirken sich messbar auf Entzündungsmarker wie das CRP (CRP: C-reaktives Protein) aus. Eine Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl oder Rapsöl und Fisch ist mit niedrigeren Entzündungswerten verbunden. Viel Zucker, Weißmehl, rotes und verarbeitetes Fleisch sowie stark verarbeitete Produkte gehen eher mit höheren Werten einher. Auch Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und Schlafmangel fördern Entzündungen.
Unter dem Etikett „anti-entzündlich“ werden jedoch oft Ernährungspläne verkauft, die ganze Lebensmittelgruppen wie Getreide, Milch oder Nachtschattengewächse verbieten. Dafür gibt es keine belastbaren Belege.
Zahlen und Referenzwerte
Die Wissenschaft nutzt Messgrößen wie den Dietary Inflammatory Index, um das Entzündungspotenzial einer Ernährung zu beschreiben. Übersichtsarbeiten zeigen Zusammenhänge mit zahlreichen Erkrankungen. Diese beruhen überwiegend auf Beobachtungsstudien und belegen daher keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Was bedeutet das im Alltag?
Die Grundlage einer entzündungsarmen Ernährung ist im Wesentlichen das, was auch die mediterrane Ernährung ausmacht. Bunte Gemüse- und Obstsorten, Kräuter und Gewürze, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, gute Öle und regelmäßig Fisch bilden den Kern. Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Bewegung wirken zusätzlich. Einzelne „Superfoods“ wie Kurkuma oder Ingwer können eine Mahlzeit bereichern, gleichen aber keine unausgewogene Ernährung aus.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika und Kartoffeln fördern bei gesunden Menschen keine Entzündungen. Auch Pflanzenöle mit Omega-6-Fettsäuren gelten zu Unrecht als Entzündungstreiber. Näheres dazu unter Omega-6-Fettsäuren.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Phillips CM et al. (2019): Dietary Inflammatory Index and Non-Communicable Disease Risk, a Narrative Review. Nutrients
- Marx W et al. (2021): The Dietary Inflammatory Index and Human Health, an Umbrella Review of Meta-Analyses of Observational Studies. Adv Nutr
- Dietary Patterns Associated With Anti-inflammatory Effects, an Umbrella Review. Nutrition Reviews