Chronische Nierenerkrankung

Bei einer chronischen Nierenerkrankung arbeiten die Nieren über mindestens drei Monate eingeschränkt oder sind dauerhaft geschädigt. In Deutschland leben schätzungsweise mehr als zwei Millionen Menschen mit dauerhaft verminderter Nierenfunktion, die meisten älter als 60 Jahre.

Warum ist das wichtig?

Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Die Erkrankung verläuft lange ohne Beschwerden und wird oft zufällig über Blut- und Urinwerte entdeckt. Schreitet sie fort, drohen Dialyse oder Transplantation. Zudem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.

Zahlen und Referenzwerte

Die Einteilung erfolgt nach der geschätzten Filtrationsrate eGFR und der Eiweißausscheidung im Urin. Für die Ernährung gelten nach der internationalen KDIGO-Leitlinie (KDIGO: Kidney Disease: Improving Global Outcomes) folgende Orientierungen, die individuell angepasst werden:

BausteinOrientierung bei chronischer Nierenerkrankung ohne Dialyse
Proteinetwa 0,8 g pro kg Körpergewicht, sehr hohe Zufuhr vermeiden
Salzdeutlich unter 5 g Kochsalz pro Tag
Kalium und Phosphatnur einschränken, wenn die Blutwerte erhöht sind
Flüssigkeitmeist nach Durst, bei Wassereinlagerungen nach ärztlicher Vorgabe

Unter Dialyse steigt der Proteinbedarf dagegen wieder an, während Kalium, Phosphat und Flüssigkeit meist streng begrenzt werden müssen.

Was bedeutet das im Alltag?

In frühen Stadien stehen ein gut eingestellter Blutdruck und Blutzucker, wenig Salz, eine pflanzenbetonte Ernährung und ein gesundes Gewicht im Vordergrund. Phosphatzusätze in Wurst, Schmelzkäse, Cola und Fertigprodukten werden besonders gut aufgenommen und sollten gemieden werden. Pflanzliches Phosphat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten wird dagegen schlechter aufgenommen.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Eine Nierendiät bedeutet in frühen Stadien keine strenge Einschränkung von Obst und Gemüse.
  • Viel trinken heilt die Nieren nicht.
  • Eine proteinreiche Ernährung ist für gesunde Nieren unbedenklich, bei Nierenerkrankungen aber ungünstig.

Für Fachkräfte

Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt für Erwachsene mit CKD (chronische Nierenerkrankung) ab Stadium G3 ohne Dialyse eine Proteinzufuhr von etwa 0,8 g pro kg Körpergewicht und rät von Mengen über 1,3 g ab. Sehr eiweißarme Diäten sollen nur unter engmaschiger fachlicher Begleitung erfolgen, da sie das Risiko für Mangelernährung erhöhen. Für die Natriumzufuhr wird weniger als 2 g am Tag empfohlen, entsprechend knapp 5 g Salz.

Kalium und Phosphat werden anhand der Laborwerte individuell angepasst. Eine pauschale Kaliumrestriktion ist nicht sinnvoll und kann eine gesundheitsförderliche pflanzenbetonte Ernährung unnötig einschränken. Beim Phosphat haben Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln die höchste Bioverfügbarkeit. Während der Dialyse steigt der Proteinbedarf, gleichzeitig kommen Flüssigkeitsbilanz und Kaliumkontrolle hinzu. Die Beratung gehört in ein nephrologisch erfahrenes Team.

Verwandte Begriffe

Quellen