Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus dem Muskelstoffwechsel, das über die Nieren ausgeschieden wird. Steigt der Kreatininwert im Blut, kann das auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen. Aus Kreatinin, Alter und Geschlecht wird die eGFR berechnet, die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Sie gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern.
Warum ist das wichtig?
In Deutschland leben schätzungsweise mehr als zwei Millionen Menschen mit dauerhaft eingeschränkter Nierenfunktion, die meisten älter als 60 Jahre. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Eine chronische Nierenerkrankung verursacht lange keine Beschwerden und wird oft nur über Blut- und Urinwerte entdeckt.
Zahlen und Referenzwerte
Die Einteilung der Nierenfunktion nach der internationalen Leitlinie KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes):
| Stadium | eGFR (ml/min/1,73 m²) | Nierenfunktion |
|---|---|---|
| G1 | 90 und mehr | normal |
| G2 | 60 bis 89 | leicht eingeschränkt |
| G3a | 45 bis 59 | leicht bis mäßig eingeschränkt |
| G3b | 30 bis 44 | mäßig bis stark eingeschränkt |
| G4 | 15 bis 29 | stark eingeschränkt |
| G5 | unter 15 | Nierenversagen |
Von einer chronischen Nierenerkrankung spricht man, wenn die eGFR über mindestens drei Monate unter 60 liegt oder andere Zeichen einer Nierenschädigung vorliegen, etwa Eiweiß im Urin.
Was bedeutet das im Alltag?
Viel Muskelmasse oder eine sehr fleischreiche Mahlzeit vor der Blutabnahme kann den Kreatininwert erhöhen, wenig Muskelmasse ihn senken. Deshalb wird die eGFR immer im Zusammenhang bewertet. Zum Schutz der Nieren helfen vor allem ein gut eingestellter Blutdruck und Blutzucker, wenig Salz, Nichtrauchen und der zurückhaltende Umgang mit Schmerzmitteln.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
- Viel trinken spült die Nieren nicht gesund, bei manchen Nierenerkrankungen ist die Trinkmenge sogar begrenzt.
- Eine eGFR zwischen 60 und 89 ist im Alter häufig und allein noch keine Erkrankung.
- Proteinreiche Ernährung schadet gesunden Nieren nach aktuellem Wissen nicht, bei Nierenerkrankungen aber schon.