Folat & Folsäure

Folat ist die natürliche Form des Vitamins in Lebensmitteln. Folsäure ist die synthetisch hergestellte Form, die in Präparaten und angereicherten Lebensmitteln steckt. Beide gehören zu den B-Vitaminen und sind für Zellteilung, Wachstum und Blutbildung unverzichtbar.

Warum ist das wichtig?

Folat wird überall dort gebraucht, wo sich Zellen schnell teilen, etwa bei der Blutbildung und in der Schleimhaut. Außerdem hilft es gemeinsam mit Vitamin B12 und Vitamin B6 beim Abbau von Homocystein. Eine besondere Rolle spielt Folat in der frühen Schwangerschaft: Es senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte wie einen offenen Rücken beim Kind.

Zahlen und Referenzwerte

GruppeFolat pro Tag
Erwachsene300 µg Folat-Äquivalente
Schwangere550 µg Folat-Äquivalente
Stillende450 µg Folat-Äquivalente

Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 µg Folsäure pro Tag als Präparat einnehmen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft starten und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.

Was bedeutet das im Alltag?

Folatreich sind grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat und Rucola, außerdem Hülsenfrüchte, Kohl, Tomaten, Orangen, Nüsse, Sprossen, Vollkornprodukte, Kartoffeln und Eier. Folat ist empfindlich gegenüber Licht, Hitze und langer Lagerung. Frisches Gemüse, kurze Lagerzeiten und schonendes Garen erhalten mehr davon.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Folat und Folsäure sind eng verwandt, aber nicht identisch.
  • Eine folatreiche Ernährung allein reicht bei Kinderwunsch meist nicht aus. Das Präparat ist deshalb wichtig.
  • Der Neuralrohrschluss erfolgt oft, bevor eine Schwangerschaft bemerkt wird. Deshalb zählt der frühe Start.

Für Fachkräfte

Frauen mit Kinderwunsch sollen spätestens vier Wochen vor der Konzeption bis zum Ende des ersten Trimenons zusätzlich 400 µg Folsäure am Tag einnehmen. Da viele Schwangerschaften ungeplant beginnen, gehört das Thema in jede Beratung von Frauen im gebärfähigen Alter. Nach einer vorangegangenen Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt sowie bei bestimmten Risikokonstellationen wird eine deutlich höhere Dosis ärztlich verordnet.

Die Referenzwerte werden in Folat-Äquivalenten angegeben, weil synthetische Folsäure besser verfügbar ist als Nahrungsfolat. Medikamente wie Methotrexat, einige Antiepileptika und Trimethoprim beeinflussen den Folatstoffwechsel. Bei makrozytärer Anämie sollte vor einer Folsäuregabe ein B12-Mangel ausgeschlossen werden. Vertiefend: Beratungsleitfaden Schwangerschaft und Stillzeit.

Verwandte Begriffe

Quellen