Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Dünndarms. Bei Betroffenen löst das Klebereiweiß Gluten aus Weizen, Roggen, Gerste und verwandten Getreiden eine Entzündung der Darmschleimhaut aus. Die Darmzotten bilden sich zurück, und Nährstoffe werden schlechter aufgenommen.
Warum ist das wichtig?
Etwa einer von hundert Menschen in Europa hat Zöliakie, doch ein Großteil weiß es nicht. Das Beschwerdebild ist sehr unterschiedlich. Neben Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust können auch Müdigkeit, Eisenmangel, Knochenschwund, Hautausschlag, Wachstumsstörungen bei Kindern oder ein unerfüllter Kinderwunsch die einzigen Hinweise sein. Unbehandelt steigt das Risiko für Mangelzustände, Osteoporose und bestimmte Darmlymphome.
Zahlen und Referenzwerte
Die Diagnose beruht auf zwei Schritten: einem Bluttest auf Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (tTG-IgA) und bei Erwachsenen einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm. Bei Kindern kann bei sehr hohen Antikörperwerten unter bestimmten Bedingungen auf die Probe verzichtet werden.
Als „glutenfrei“ dürfen Lebensmittel gekennzeichnet werden, die höchstens 20 mg Gluten pro kg enthalten.
Was bedeutet das im Alltag?
Die einzige Behandlung ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Schon kleine Mengen Gluten können die Schleimhaut erneut schädigen, auch ohne spürbare Beschwerden. Unter der Diät erholt sich der Darm meist innerhalb von Monaten.
Von Natur aus glutenfrei sind Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Eier und Milch. Speziell als glutenfrei ausgewiesener Hafer wird von vielen Betroffenen vertragen. Beim Einkauf helfen das Symbol der durchgestrichenen Ähre und die Zutatenliste.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
- Zöliakie ist weder eine Weizenallergie noch eine Modeerscheinung.
- Auch kleine Mengen Gluten schaden bei Zöliakie, selbst ohne Beschwerden.
- Glutenfreie Ernährung bringt Menschen ohne Zöliakie oder Glutensensitivität keinen belegten Vorteil.
Für Fachkräfte
Die Serologie mit Transglutaminase-IgA-Antikörpern und Gesamt-IgA muss unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen. Bei Erwachsenen wird die Diagnose in der Regel durch eine Dünndarmbiopsie gesichert. Bei Kindern ist unter bestimmten Voraussetzungen, etwa sehr hohen Antikörperwerten und positiven Endomysium-Antikörpern, eine Diagnose ohne Biopsie möglich. Wer bereits glutenfrei lebt, braucht vor der Diagnostik eine ärztlich geplante Glutenbelastung.
Nach der Diagnose ist eine qualifizierte Ernährungsberatung wesentlich. Themen sind versteckte Glutenquellen, Kreuzkontamination in Küche und Gastronomie, glutenfreier Hafer, Kennzeichnung und die Nährstoffversorgung mit Ballaststoffen, Eisen, Folat, Calcium und Vitamin D. Verlaufskontrollen der Antikörper helfen, die Adhärenz zu überprüfen. Angehörigen ersten Grades sollte eine Testung angeboten werden.