Das Darmmikrobiom umfasst die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, vor allem Bakterien, aber auch Viren, Pilze und andere Kleinstlebewesen. Im Dickdarm leben schätzungsweise rund 40 Billionen Bakterien aus mehreren Hundert Arten. Ihre Zusammensetzung ist bei jedem Menschen verschieden und wird von Geburt, Ernährung, Medikamenten, Alter und Lebensumfeld geprägt.
Warum ist das wichtig?
Die Darmbakterien verwerten Ballaststoffe, die der Mensch selbst nicht verdauen kann. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die die Darmschleimhaut ernähren und Entzündungen dämpfen. Das Mikrobiom trainiert das Immunsystem, bildet Vitamine wie Vitamin K und schützt vor Krankheitserregern. Veränderungen werden mit vielen Erkrankungen in Verbindung gebracht, von Reizdarm und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bis zu Übergewicht und Diabetes. Was dabei Ursache und was Folge ist, ist oft noch unklar.
Zahlen und Referenzwerte
Einen allgemeingültigen Normalbefund für das Mikrobiom gibt es nicht. Als günstig gilt eine hohe Vielfalt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag, eine Menge, die viele Menschen in Deutschland nicht erreichen. Studien zeigen, dass eine vielfältige pflanzliche Ernährung mit vielen unterschiedlichen Pflanzen pro Woche mit einer größeren Mikrobiomvielfalt einhergeht.
Was bedeutet das im Alltag?
Das Mikrobiom profitiert von Vollkorn, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nüssen und Samen. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut und Kimchi können die Vielfalt zusätzlich fördern. Wer mehr Ballaststoffe essen möchte, steigert die Menge am besten schrittweise, damit sich der Darm anpassen kann. Antibiotika sollten nur eingenommen werden, wenn sie nötig sind.
Wer besonders betroffen ist
Nach Antibiotikatherapien, bei sehr einseitiger oder ballaststoffarmer Ernährung und bei chronischen Darmerkrankungen ist das Mikrobiom oft weniger vielfältig.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Probiotika aus dem Supermarkt oder der Apotheke können bei bestimmten Beschwerden wie Durchfall unter Antibiotika helfen, siedeln sich aber meist nicht dauerhaft an. Eine allgemeine Darmsanierung für Gesunde ist weder nötig noch belegt.