Divertikel sind kleine, sackförmige Ausstülpungen der Darmwand, meist im unteren Dickdarm. Sind Divertikel vorhanden, ohne Beschwerden zu machen, spricht man von Divertikulose. Entzünden sie sich, entsteht eine Divertikulitis mit Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber und manchmal Veränderungen des Stuhlgangs.
Warum ist das wichtig?
Divertikel sind in Industrieländern sehr häufig und nehmen mit dem Alter zu. Die meisten Menschen mit Divertikeln merken nie etwas davon. Eine Divertikulitis kann jedoch schmerzhaft sein und selten zu Komplikationen wie einem Abszess oder Darmdurchbruch führen. Als Risikofaktoren gelten ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und ein hoher Verzehr von rotem Fleisch.
Zahlen und Referenzwerte
Bei Menschen über 70 Jahren finden sich bei etwa der Hälfte bis zwei Dritteln Divertikel. Nur ein kleiner Teil entwickelt jemals eine Entzündung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag, ein Wert, den viele Menschen in Deutschland nicht erreichen.
Was bedeutet das im Alltag?
Zur Vorbeugung und bei bekannter Divertikulose empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten sowie wenig rotem Fleisch. Ausreichend trinken und regelmäßige Bewegung unterstützen die Darmtätigkeit und beugen Verstopfung vor. Während einer akuten Divertikulitis kann vorübergehend eine ballaststoffarme, leichte Kost angenehmer sein. Nach Abklingen der Entzündung wird die Ballaststoffmenge wieder schrittweise gesteigert.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Lange wurde Menschen mit Divertikeln geraten, auf Nüsse, Samen, Popcorn und Obst mit kleinen Kernen zu verzichten, weil diese die Ausstülpungen verstopfen könnten. Große Beobachtungsstudien fanden dafür keinen Beleg. Wer Nüsse und Samen regelmäßig isst, hatte eher ein etwas geringeres Risiko für eine Divertikulitis. Die aktuelle Leitlinie rät deshalb von einem Verzicht ab.