Homocystein ist eine Aminosäure, die im Stoffwechsel als Zwischenprodukt beim Abbau der Aminosäure Methionin entsteht. Normalerweise wird es rasch weiterverarbeitet. Dafür braucht der Körper Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6. Fehlt eines dieser Vitamine, staut sich Homocystein im Blut an.
Warum ist das wichtig?
In Beobachtungsstudien gehen erhöhte Homocysteinwerte mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz einher. Lange galt Homocystein deshalb als eigenständiger Risikofaktor, den man mit Vitaminen senken könne. Große Studien haben diese Hoffnung jedoch weitgehend enttäuscht. Eine Cochrane-Übersicht fand, dass B-Vitamine den Homocysteinwert zwar senken, Herzinfarkte und Todesfälle aber nicht verhindern. Für Schlaganfälle zeigte sich allenfalls ein kleiner Nutzen.
Als Laborwert bleibt Homocystein dennoch nützlich. Ein erhöhter Wert kann auf einen Mangel an B12 oder Folat hinweisen, noch bevor sich das Blutbild verändert.
Zahlen und Referenzwerte
Als unauffällig gelten meist Werte unter etwa 10 bis 12 µmol/l, abhängig von Labor und Alter. Werte über 15 µmol/l werden als erhöht betrachtet. Ursachen können neben Vitaminmangel eine eingeschränkte Nierenfunktion, eine Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente wie Metformin oder Säureblocker sowie genetische Varianten sein.
Was bedeutet das im Alltag?
Eine Ernährung mit viel grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn liefert Folat. Vitamin B12 kommt in tierischen Lebensmitteln vor und muss bei veganer Ernährung ergänzt werden. Wer rundum gut versorgt ist, hat in der Regel auch einen unauffälligen Homocysteinwert.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Homocystein-Tests werden gelegentlich als Selbstzahlerleistung zur Herzvorsorge angeboten. Da eine Senkung per Vitamintablette das Herzinfarktrisiko nach heutigem Wissen kaum beeinflusst, ist der Nutzen als reiner Vorsorgetest begrenzt.