Vitamin-B12-Mangel

Ein Vitamin-B12-Mangel entsteht, wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Vitamin B12 aufnimmt oder es nicht verwerten kann. Vitamin B12 wird für die Blutbildung, die Zellteilung und die Funktion des Nervensystems gebraucht. Die Leber speichert es für mehrere Jahre, weshalb sich ein Mangel oft erst spät zeigt.

Warum ist das wichtig?

Ein Mangel kann eine Blutarmut mit vergrößerten roten Blutkörperchen verursachen, außerdem Nervenschäden mit Kribbeln, Taubheit und Gangunsicherheit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Verstimmungen. Nervenschäden können bleibend sein, wenn der Mangel zu spät behandelt wird. Bei Säuglingen von Müttern mit Mangel drohen schwere Entwicklungsstörungen.

Zahlen und Referenzwerte

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Erwachsene einen Schätzwert von 4 Mikrogramm am Tag an, für Schwangere 4,5 und für Stillende 5,5 Mikrogramm. Zur Diagnose wird neben dem Gesamt-B12 im Blut oft das Holotranscobalamin bestimmt, das den aktiven Anteil zeigt. Eine erhöhte Methylmalonsäure oder ein erhöhtes Homocystein bestätigen einen Mangel auf Zellebene.

Was bedeutet das im Alltag?

Vitamin B12 kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor, etwa in Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Wer sich vegan ernährt, muss es unbedingt über Präparate oder angereicherte Lebensmittel ergänzen. Auch bei vegetarischer Ernährung ist die Versorgung oft knapp. Präparate können täglich in niedriger oder wöchentlich in höherer Dosis eingenommen werden, weil der Körper aus einer Dosis nur begrenzt aufnimmt.

Wer besonders betroffen ist

Neben Menschen, die vegan leben, sind vor allem ältere Menschen betroffen, weil mit dem Alter häufiger eine Magenschleimhautentzündung die Aufnahme stört. Auch die Einnahme von Metformin oder Säureblockern über längere Zeit, Magen- und Darmoperationen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und die Autoimmunerkrankung perniziöse Anämie erhöhen das Risiko.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

Algen, Sauerkraut, Spirulina oder Bierhefe sind keine verlässlichen B12-Quellen. Sie enthalten oft unwirksame B12-Analoga. Ein normales Blutbild schließt einen Mangel nicht aus, Nervenschäden können auch ohne Blutarmut auftreten.

Für Fachkräfte

Ein Stufenvorgehen hat sich bewährt: Holotranscobalamin als Suchtest, bei Werten im Graubereich Methylmalonsäure zur Bestätigung. Homocystein ist weniger spezifisch, da es auch bei Folat- und B6-Mangel sowie Niereninsuffizienz steigt. Bei Verdacht auf perniziöse Anämie werden Antikörper gegen Intrinsic Factor bestimmt.

In der Beratung sollten Risikogruppen aktiv angesprochen werden, besonders Menschen mit veganer Ernährung, ältere Menschen, Langzeitnutzer von Metformin oder Protonenpumpenhemmern und Stillende mit veganer Ernährung, deren Säuglinge gefährdet sind. Bei neurologischen Symptomen erfolgt die Substitution zügig und hoch dosiert, meist zunächst parenteral. Kontrollen des Status nach einigen Monaten sichern den Therapieerfolg. Siehe auch Laborbefunde in der Beratung.

Verwandte Begriffe

Quellen