Mangelernährung entsteht, wenn der Körper über längere Zeit weniger Energie, Eiweiß oder Nährstoffe erhält, als er braucht. Die Folgen sind ungewollter Gewichtsverlust, Abbau von Muskelmasse und eine geschwächte Körperfunktion. In Deutschland betrifft Mangelernährung vor allem ältere und kranke Menschen und wird oft übersehen.
Warum ist das wichtig?
Mangelernährung schwächt das Immunsystem, verzögert die Wundheilung, erhöht das Risiko für Stürze, Komplikationen und Krankenhausaufenthalte und verschlechtert die Lebensqualität. Menschen mit Übergewicht können ebenfalls mangelernährt sein, etwa wenn sie durch Krankheit rasch Muskelmasse verlieren. Deshalb zählt der Verlauf des Gewichts mehr als das Gewicht allein.
Zahlen und Referenzwerte
Studien zeigen, dass etwa jede vierte Person bei der Aufnahme ins Krankenhaus mangelernährt ist oder ein Risiko dafür hat, bei älteren Menschen und in Pflegeheimen noch mehr. Warnzeichen sind ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten oder mehr als zehn Prozent in sechs Monaten, eine deutlich verringerte Essmenge über mehr als eine Woche und ein niedriger Body-Mass-Index (BMI). Für das Screening werden einfache Fragebögen wie das Mini Nutritional Assessment oder das NRS 2002 (Nutritional Risk Screening) genutzt.
Was bedeutet das im Alltag?
Bei geringem Appetit helfen mehrere kleine Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten, energie- und eiweißreiche Lebensmittel wie Quark, Käse, Eier, Nüsse und Öle sowie das Anreichern von Speisen mit Sahne, Butter oder Eiweißpulver. Gemeinsames Essen, Lieblingsspeisen und eine angenehme Atmosphäre fördern den Appetit. Kau- und Schluckprobleme, Zahnprobleme und Medikamente, die den Appetit dämpfen, sollten angesprochen werden.
Wer besonders betroffen ist
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, vor allem allein lebende und pflegebedürftige, sowie Menschen mit Krebs, chronischen Darm-, Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen, Demenz und Depression.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Im Alter ist Gewichtsverlust nicht normal. Ein paar Kilo mehr sind bei älteren Menschen oft sogar günstiger als Untergewicht. Diätregeln, die im mittleren Alter sinnvoll sind, passen dann häufig nicht mehr.
Für Fachkräfte
Mangelernährung wird zweistufig erfasst. Zunächst erfolgt ein Screening mit validierten Instrumenten, im Krankenhaus meist NRS 2002, im ambulanten Bereich MUST (Malnutrition Universal Screening Tool) und bei älteren Menschen das MNA-SF (Mini Nutritional Assessment, Kurzform). Bei auffälligem Screening folgt die Diagnose nach den GLIM-Kriterien (GLIM: Global Leadership Initiative on Malnutrition). Dafür ist mindestens ein phänotypisches Kriterium wie ungewollter Gewichtsverlust, niedriger BMI oder verminderte Muskelmasse und mindestens ein ätiologisches Kriterium wie verringerte Nahrungsaufnahme oder Entzündung erforderlich.
Die Ernährungstherapie beginnt mit Anreicherung und Zwischenmahlzeiten, bei unzureichender Wirkung folgen Trinknahrung und weitere Stufen der klinischen Ernährung. Bei sehr geringer Nahrungsaufnahme über mehr als fünf Tage oder niedrigen Elektrolyten besteht Refeeding-Risiko, dann wird die Energiezufuhr langsam gesteigert und Phosphat, Kalium und Magnesium werden überwacht. Vertiefend: Screening auf Mangelernährung.