Eine proteinbetonte Ernährung enthält gezielt mehr Eiweiß als die allgemeine Empfehlung vorsieht. Sie wird aus medizinischen Gründen eingesetzt, etwa im Alter, bei Mangelernährung, nach Operationen, bei Muskelabbau oder als Baustein bei der Gewichtsreduktion. Sie unterscheidet sich damit vom Social-Media-Trend High Protein, der sich an Gesunde richtet.
Warum ist das wichtig?
Eiweiß ist der Baustein für Muskeln, Enzyme, Hormone und Immunzellen. Im Alter, bei Krankheit und bei Bettlägerigkeit baut der Körper schneller Muskelmasse ab. Eine ausreichende Proteinzufuhr zusammen mit Bewegung bremst diesen Verlust und beugt Sarkopenie und Stürzen vor. Beim Abnehmen hilft mehr Eiweiß, die Muskulatur zu erhalten, und es sättigt gut.
Zahlen und Referenzwerte
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen bis 64 Jahre 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, ab 65 Jahren 1,0 Gramm. Fachgesellschaften für klinische Ernährung empfehlen älteren Menschen 1,0 bis 1,2 Gramm, bei akuten oder chronischen Erkrankungen 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm. Günstig ist es, die Menge auf die Mahlzeiten zu verteilen, mit jeweils etwa 25 bis 30 Gramm.
Was bedeutet das im Alltag?
Gute Eiweißquellen sind Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Käse, Eier, Fisch, Geflügel, Hülsenfrüchte, Tofu, Nüsse und Vollkorn. Die Kombination pflanzlicher Quellen, etwa Linsen mit Reis oder Bohnen mit Mais, verbessert die Eiweißqualität. Bei kleinem Appetit helfen eiweißreiche Zwischenmahlzeiten oder mit Magermilchpulver angereicherte Speisen.
Wer besonders betroffen ist
Profitieren können ältere Menschen, Menschen mit Mangelernährung, nach Operationen und Verletzungen, mit Tumorerkrankungen, bei Druckgeschwüren sowie Menschen mit Adipositas während einer Gewichtsreduktion.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Eine proteinbetonte Ernährung schadet gesunden Nieren nach heutigem Wissen nicht. Sie bedeutet auch nicht, sehr viel Fleisch zu essen, denn Milchprodukte und Hülsenfrüchte sind ebenso gute Quellen.