Sarkopenie

Sarkopenie bezeichnet den krankhaften Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Ab etwa dem 50. Lebensjahr baut der Körper jedes Jahr ein bis zwei Prozent Muskelmasse ab, die Kraft sinkt noch schneller. Wird dieser Verlust so ausgeprägt, dass Alltagsfunktionen leiden, spricht man von Sarkopenie.

Warum ist das wichtig?

Muskeln sind für Mobilität, Gleichgewicht, Stoffwechsel und Selbstständigkeit im Alter entscheidend. Sarkopenie erhöht das Risiko für Stürze, Knochenbrüche, Pflegebedürftigkeit und Krankenhausaufenthalte. Sie kann auch bei Übergewicht auftreten. Bei dieser sarkopenen Adipositas überdeckt das Fett den Muskelverlust, was die Erkennung erschwert.

Zahlen und Referenzwerte

Nach den europäischen Kriterien ist eine verminderte Muskelkraft das erste Warnzeichen. Eine Handkraft unter 27 Kilogramm bei Männern und unter 16 Kilogramm bei Frauen oder mehr als 15 Sekunden für fünfmaliges Aufstehen von einem Stuhl gelten als auffällig. Für ältere Menschen empfehlen Fachgesellschaften 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei Erkrankungen mehr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt ab 65 Jahren 1,0 Gramm.

Was bedeutet das im Alltag?

Die wirksamste Maßnahme ist Krafttraining, das auch im hohen Alter Muskeln aufbaut. Zwei- bis dreimal pro Woche Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Gewichten oder Bändern reichen bereits. Dazu gehört eine ausreichende Eiweißzufuhr, verteilt auf alle Mahlzeiten mit jeweils 25 bis 30 Gramm, etwa aus Milchprodukten, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchten und Fleisch. Eine gute Vitamin-D-Versorgung unterstützt Muskeln und Knochen.

Wer besonders betroffen ist

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, besonders nach Krankenhausaufenthalten und längerer Bettruhe, sowie Menschen mit Diabetes, Krebs, Herz- oder Nierenschwäche und Mangelernährung.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

Muskelabbau ist keine unvermeidliche Alterserscheinung. Er lässt sich mit Training und Ernährung deutlich bremsen und teils umkehren. Proteinpräparate ohne Bewegung haben dagegen nur eine geringe Wirkung.

Für Fachkräfte

Nach dem europäischen Konsens EWGSOP2 (European Working Group on Sarcopenia in Older People) folgt die Diagnostik den Schritten Finden, Bewerten, Bestätigen und Schweregrad bestimmen. Als Screening dient der SARC-F-Fragebogen (SARC-F: Kurzfragebogen zur Sarkopenie), ein Wert ab 4 gilt als auffällig. Die Muskelkraft wird per Handkraftmessung oder Chair-Rise-Test erfasst, die Muskelmasse per DXA (Dual-Röntgen-Absorptiometrie) oder Bioimpedanz. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird etwa mit der Ganggeschwindigkeit bewertet.

Die wirksamste Intervention ist progressives Krafttraining, idealerweise kombiniert mit einer Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht und bei Erkrankung darüber. Eiweißreiche Mahlzeiten mit ausreichend Leucin, etwa aus Milchprodukten, unterstützen die Muskelproteinsynthese. Ein Vitamin-D-Mangel sollte ausgeglichen werden. Bei sarkopener Adipositas muss eine Gewichtsreduktion mit Krafttraining und hoher Proteinzufuhr verbunden werden.

Verwandte Begriffe

Quellen