Mit dem Alter sinkt der Energiebedarf, weil Muskelmasse und körperliche Aktivität abnehmen. Der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Protein bleibt dagegen gleich oder steigt sogar. Ältere Menschen brauchen deshalb eine besonders nährstoffreiche Ernährung.
Warum ist das wichtig?
Im Alter kommen oft Faktoren zusammen, die das Essen erschweren: weniger Appetit und Durst, Kau- und Schluckprobleme, Medikamente, Einsamkeit, eingeschränkte Mobilität oder Demenz. Daraus kann eine Mangelernährung entstehen, die Muskelschwund (Sarkopenie), Stürze, Infekte und eine langsamere Genesung begünstigt. Ungewollter Gewichtsverlust ist im Alter deshalb ein ernstzunehmendes Warnzeichen.
Zahlen und Referenzwerte
| Nährstoff | Orientierung ab 65 Jahren |
|---|---|
| Energie bei geringer Aktivität | etwa 1.700 kcal (Frauen) bis 2.100 kcal (Männer) |
| Protein | 1,0 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht, bei Sarkopenie bis 1,5 g |
| Flüssigkeit | mindestens sechs Gläser (je 200 ml) am Tag |
| Vitamin D | 20 µg am Tag, bei wenig Sonne als Präparat |
| Calcium | 1.000 mg am Tag |
| Vitamin B12 | besonders prüfen bei Magensäureblockern oder Metformin |
Was bedeutet das im Alltag?
- zu jeder Mahlzeit eine Proteinquelle wie Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch oder Fleisch
- lieber mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große
- Getränke sichtbar bereitstellen und feste Trinkzeiten einplanen
- mit Kräutern und Gewürzen würzen, wenn der Geschmackssinn nachlässt
- gemeinsam essen, etwa mit Familie, Nachbarn oder im Mittagstisch-Angebot
- regelmäßig bewegen, besonders Kraft- und Gleichgewichtstraining
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
- Im Alter gilt ein etwas höheres Körpergewicht oft als günstig. Abnehmen sollte nur fachlich begleitet erfolgen.
- Weniger Durst heißt nicht weniger Bedarf.
- Trinknahrung aus der Apotheke ist bei Mangelernährung ein Medikament und sollte ärztlich verordnet werden.
Für Fachkräfte
Ältere Menschen sollten regelmäßig auf Mangelernährung gescreent werden, etwa mit dem MNA-SF (Mini Nutritional Assessment, Kurzform). Die Leitlinie zur klinischen Ernährung im Alter empfiehlt als Orientierung etwa 30 kcal pro kg Körpergewicht und mindestens 1,0 g Protein pro kg, individuell angepasst an Gewichtsverlauf, Aktivität und Erkrankungen. Restriktive Diäten sind im höheren Alter meist nicht sinnvoll.
Beratungsrelevant sind Kau- und Schluckstörungen, Mundgesundheit, Polypharmazie, kognitive Einschränkungen, soziale Isolation und die Trinkmenge, da das Durstempfinden nachlässt. Bei Dysphagie sind angepasste Konsistenzen nach standardisierten Stufen und eine logopädische Abklärung wichtig. Angehörige und Pflegekräfte sollten in die Beratung einbezogen werden. Vertiefend: Beratungsleitfaden Mangelernährung im Alter.