Mangelernährung bleibt ohne systematisches Screening häufig unentdeckt. Empfohlen wird ein zweistufiges Vorgehen. Ein kurzes, validiertes Screening identifiziert Menschen mit Risiko, bei auffälligem Ergebnis folgt eine vertiefte Erfassung und die Diagnose nach den GLIM-Kriterien (GLIM: Global Leadership Initiative on Malnutrition).
Einsatz
Im Krankenhaus bei Aufnahme und im Verlauf, in Pflegeeinrichtungen regelmäßig und im ambulanten Bereich bei älteren oder chronisch kranken Menschen. Das Instrument richtet sich nach dem Setting.
| Setting | Empfohlenes Screening |
|---|---|
| Krankenhaus | NRS 2002 (Nutritional Risk Screening) |
| Ambulant und Gemeinde | MUST (Malnutrition Universal Screening Tool) |
| Ältere Menschen | MNA-SF (Mini Nutritional Assessment, Kurzform) |
Checkliste Screening
Die Instrumente fragen ähnliche Kernpunkte ab.
- ungewollter Gewichtsverlust in den letzten drei bis sechs Monaten
- niedriger Body-Mass-Index (BMI), bei älteren Menschen alternativ Wadenumfang
- verringerte Nahrungsaufnahme in der letzten Zeit
- akute Erkrankung oder Belastung mit reduzierter Aufnahme
- bei älteren Menschen zusätzlich Mobilität und kognitive oder psychische Einschränkungen
Beim MNA-SF gelten 12 bis 14 Punkte als normaler Ernährungszustand, 8 bis 11 Punkte als Risiko und 0 bis 7 Punkte als Mangelernährung.
Checkliste Diagnose nach GLIM
Für die Diagnose ist mindestens ein phänotypisches und ein ätiologisches Kriterium erforderlich.
- phänotypisch: ungewollter Gewichtsverlust
- phänotypisch: niedriger BMI
- phänotypisch: verminderte Muskelmasse
- ätiologisch: verringerte Nahrungsaufnahme oder gestörte Nährstoffaufnahme
- ätiologisch: Krankheitslast oder Entzündung
Nächste Schritte
Bei Risiko oder Mangelernährung werden Ursachen geklärt, der Bedarf ermittelt und eine gestufte Intervention geplant, von der Anreicherung über Trinknahrung bis zur weiteren klinischen Ernährung. Gewicht und Nahrungsaufnahme werden dokumentiert. Bei sehr geringer Aufnahme über mehr als fünf Tage ist das Refeeding-Risiko zu prüfen.