Die Ernährungsanamnese ist die Grundlage jeder Beratung. Sie erfasst, was, wann, wie und warum eine Person isst, und ordnet das in ihre Lebens- und Gesundheitssituation ein. Die folgende Checkliste deckt die wichtigsten Bereiche ab und lässt sich je nach Anlass kürzen oder vertiefen.
Einsatz
Im Erstgespräch, ergänzt durch ein Ernährungsprotokoll über drei bis sieben Tage mit mindestens einem Wochenendtag. Für eine schnelle Übersicht eignet sich ein 24-Stunden-Recall, für wiederkehrende Muster ein Verzehrshäufigkeitsfragebogen.
Checkliste
Anlass und Erwartungen
- Anlass der Beratung und Überweisungsgrund
- eigene Ziele und Erwartungen an die Beratung
- bisherige Beratungen, Diäten und Erfahrungen damit
- Motivation und Zuversicht für Veränderungen
Gesundheit
- Diagnosen und relevante Vorerkrankungen
- aktuelle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
- Gewicht, Größe, Taillenumfang und Gewichtsverlauf
- vorhandene Laborwerte
- Verdauung, Unverträglichkeiten und Allergien
- Kau- und Schluckfunktion, Zahnstatus
Essgewohnheiten
- Mahlzeitenrhythmus und Essenszeiten
- typische Mahlzeiten und Portionsgrößen
- Getränke einschließlich Alkohol und zuckerhaltiger Getränke
- Zwischenmahlzeiten und Snacks
- Außer-Haus-Verzehr, Kantine und Lieferdienste
- besondere Ernährungsformen wie vegetarisch, vegan oder religiös begründet
Lebenskontext
- Arbeitszeiten, Schichtarbeit und Alltagsstruktur
- Haushalt, Einkauf, Kochkenntnisse und Kochmöglichkeiten
- finanzielle Situation und Zugang zu Lebensmitteln
- körperliche Aktivität, Schlaf und Stress
- soziales Umfeld und gemeinsame Mahlzeiten
Essverhalten
- Hunger- und Sättigungswahrnehmung
- emotionales Essen und Essanfälle
- strenge Regeln, Verbote und Schuldgefühle
- Hinweise auf gestörtes Essverhalten
Auswertung
Aus der Anamnese werden zwei bis drei Ansatzpunkte mit dem größten Nutzen und der besten Umsetzbarkeit ausgewählt und gemeinsam mit der Person priorisiert. Auffälligkeiten, die eine ärztliche Abklärung erfordern, sind in der Checkliste Warnzeichen zusammengefasst.