Beratungsleitfaden Gewichtsreduktion

Dieser Leitfaden unterstützt Beratungen bei Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter. Er orientiert sich an der S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas, die ein multimodales Vorgehen aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie empfiehlt.

Ziel und Einsatz

Ziel ist eine realistische, langfristig haltbare Gewichtsabnahme und vor allem eine Verbesserung von Begleiterkrankungen und Lebensqualität. Die Leitlinie nennt innerhalb von sechs bis zwölf Monaten eine Abnahme von mehr als 5 Prozent bei einem Body-Mass-Index (BMI) bis 35 und von mehr als 10 Prozent darüber. Genauso wichtig ist die anschließende Stabilisierung, die viele Programme vernachlässigen.

Vorbereitung

Hilfreich sind Gewicht, Größe, Taillenumfang, Gewichtsverlauf der letzten Jahre, bekannte Diagnosen, aktuelle Medikamente sowie vorhandene Laborwerte zu Blutzucker, Blutfetten und Leber. Ein kurzes Ernährungsprotokoll über drei bis sieben Tage vor dem ersten Termin liefert eine gute Gesprächsgrundlage. Die Checkliste Ernährungsanamnese hilft bei der strukturierten Erfassung.

Gesprächsablauf

Anliegen und Vorgeschichte klären

Offen nach dem Anlass und den bisherigen Erfahrungen mit Abnehmversuchen fragen. Frühere Diäten, Jojo-Effekte, Essanfälle und belastende Erfahrungen mit Gewichtsstigma werden sichtbar und prägen das weitere Vorgehen.

Ausgangslage gemeinsam einordnen

Essmuster, Mahlzeitenstruktur, Getränke, Snacks, Außer-Haus-Verzehr, Bewegung, Schlaf und Stress besprechen. Gemeinsam die zwei oder drei Stellschrauben mit dem größten Effekt und der besten Umsetzbarkeit auswählen, zum Beispiel zuckerhaltige Getränke, Portionsgrößen oder abendliches Snacken.

Ziele vereinbaren

Konkrete, überprüfbare Verhaltensziele formulieren, die über das Körpergewicht hinausgehen. Ein Beispiel ist, an fünf Tagen pro Woche Wasser statt Limonade zum Mittagessen zu trinken. Das Energiedefizit liegt meist bei etwa 500 kcal am Tag.

Umsetzung planen

Konkrete Situationen durchspielen, etwa den Einkauf, die Kantine oder Feiern. Das Prinzip der geringen Energiedichte, Teller mit viel Gemüse und ausreichend Protein erleichtern die Sättigung. Bewegung schrittweise steigern, Krafttraining zum Muskelerhalt einbeziehen.

Begleiten und stabilisieren

Folgetermine in kurzen Abständen vereinbaren, Selbstbeobachtung durch Protokolle oder Apps nutzen und Rückschläge ohne Bewertung besprechen. Nach der Abnahmephase gezielt auf Gewichtsstabilisierung umstellen.

Kernbotschaften für Klientinnen und Klienten

Kleine, dauerhafte Veränderungen wirken nachhaltiger als strenge Diäten. Schon 5 Prozent weniger Gewicht verbessern Blutdruck, Blutzucker und Blutfette spürbar. Kein Lebensmittel ist verboten, entscheidend sind Menge, Häufigkeit und das Gesamtmuster. Bewegung wirkt auch ohne Gewichtsverlust positiv auf die Gesundheit.

Grenzen und Weiterleitung

Verwandte Begriffe

Quellen