Adipositas

Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit einem stark erhöhten Anteil an Körperfett. Sie wird meist über den Body-Mass-Index (BMI) eingeordnet, also das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Für die gesundheitliche Bewertung braucht es aber mehr als diese eine Zahl.

Warum ist das wichtig?

Adipositas erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Fettleber, Gelenkverschleiß, Schlafapnoe, einige Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders ungünstig ist Fett im Bauchraum, das die Organe umgibt.

Die Ursachen sind vielfältig. Neben Ernährung und Bewegung spielen Gene, Schlaf, Stress, Medikamente, hormonelle Erkrankungen, soziale Lage und eine Umgebung mit ständig verfügbaren, energiereichen Lebensmitteln eine Rolle. In Deutschland ist etwa jeder fünfte Erwachsene von Adipositas betroffen.

Zahlen und Referenzwerte

EinteilungBMI (kg/m²)
Normalgewicht18,5 bis 24,9
Übergewicht25 bis 29,9
Adipositas Grad I30 bis 34,9
Adipositas Grad II35 bis 39,9
Adipositas Grad IIIab 40

Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskeln. Ergänzend hilft der Taillenumfang: Ab etwa 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern ist das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht, ein erhöhtes Risiko beginnt schon bei 80 und 94 cm.

Was bedeutet das im Alltag?

Schon eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent kann Blutzucker, Blutdruck, Blutfette und Leberwerte spürbar verbessern. Die Behandlung ruht nach der S3-Leitlinie auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie. Je nach Situation kommen Medikamente wie die GLP-1-Therapie oder eine Operation hinzu.

Für die Ernährung gilt: sättigend, nährstoffreich und dauerhaft umsetzbar. Ein moderates Energiedefizit ist nachhaltiger als eine Crash-Diät.

Wer besonders betroffen ist

Das Risiko steigt mit dem Alter und ist bei Menschen mit niedrigerem Einkommen und Bildungsstand höher. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Fettverteilung: Männer lagern häufiger Bauchfett ein, bei Frauen nimmt es vor allem nach den Wechseljahren zu.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Adipositas ist eine Erkrankung mit vielen Ursachen und keine Frage von Willensschwäche.
  • Crash-Diäten sind selten langfristig hilfreich und begünstigen den Jo-Jo-Effekt.
  • Das Gewicht ist nur ein Teil der gesundheitlichen Einordnung. Blutwerte, Fettverteilung, Fitness und Wohlbefinden gehören dazu.

Für Fachkräfte

Die S3-Leitlinie empfiehlt ein multimodales Basisprogramm aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Zur Einschätzung gehören neben dem BMI der Taillenumfang, Begleiterkrankungen und die psychosoziale Situation. Als realistisches Ziel nennt die Leitlinie innerhalb von sechs bis zwölf Monaten eine Abnahme von mehr als 5 Prozent bei einem BMI bis 35 und von mehr als 10 Prozent bei einem BMI darüber, gefolgt von einer langfristigen Stabilisierung. Bei unzureichendem Erfolg kommen Medikamente oder bariatrische Operationen in Betracht, die eine ernährungstherapeutische Begleitung erfordern.

Unter Medikamenten wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1: Glucagon-like Peptide 1) geht es in der Beratung vor allem um ausreichende Proteinzufuhr, Nährstoffdichte bei kleinen Essmengen, Muskelerhalt durch Krafttraining und den Umgang mit gastrointestinalen Nebenwirkungen. Stigmatisierende Sprache verschlechtert die Beratungsergebnisse, empfohlen wird eine wertschätzende, personenzentrierte Gesprächsführung. Vertiefend: Beratungsleitfaden Gewichtsreduktion.

Verwandte Begriffe

Quellen