Dieser Leitfaden unterstützt die Ernährungstherapie beim ärztlich diagnostizierten Reizdarmsyndrom. Er folgt der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom und einem gestuften Vorgehen, das mit allgemeinen Maßnahmen beginnt und die FODMAP-arme Ernährung (FODMAP: fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole) gezielt einsetzt.
Ziel und Einsatz
Ziel ist eine spürbare Linderung der Beschwerden bei möglichst geringer Einschränkung der Ernährung. Viele Betroffene haben bereits zahlreiche Lebensmittel gestrichen. Die Beratung hilft, wirksame Maßnahmen von unnötigen Verboten zu unterscheiden und die Vielfalt wiederherzustellen.
Vorbereitung
Wichtig ist, dass relevante Differenzialdiagnosen ausgeschlossen sind, insbesondere Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und bei Durchfall eine mikroskopische Kolitis. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch über zwei Wochen mit Stuhlkonsistenz, Stress und Zyklus liefert eine gute Grundlage.
Gesprächsablauf
Beschwerdebild und Leidensdruck erfassen
Den Reizdarmtyp mit Durchfall, Verstopfung oder gemischtem Bild, die wichtigsten Symptome und bisherige Selbstversuche klären. Hinweise auf gestörtes Essverhalten sind vor restriktiven Diäten zu beachten.
Allgemeine Maßnahmen umsetzen
Regelmäßige Mahlzeiten, langsames Essen, weniger Kaffee, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke, sehr fettreiche und scharfe Speisen. Beim Verstopfungstyp können Flohsamenschalen helfen, unlösliche Kleie wird oft schlechter vertragen.
FODMAP-Elimination
Reichen allgemeine Maßnahmen nicht, folgt für zwei bis sechs Wochen eine FODMAP-arme Phase. Sie wird mit konkreten Einkaufs- und Rezeptideen begleitet, damit die Ernährung ausgewogen bleibt.
Systematische Wiedereinführung
Bei Besserung werden die FODMAP-Gruppen einzeln in steigenden Mengen getestet, etwa Laktose, Fruktose, Fruktane, Galaktane und Polyole. So entsteht ein individuelles Verträglichkeitsprofil.
Individuelle Dauerernährung
Nur nachweislich problematische Lebensmittel werden reduziert, alle übrigen wieder integriert. Bei fehlender Besserung wird die Elimination beendet und über andere Therapieansätze gesprochen, etwa darmgerichtete Psychotherapie oder Medikamente.
Kernbotschaften für Klientinnen und Klienten
Die strenge Phase ist ein Test und keine Dauerlösung. Ziel ist, so viel wie möglich wieder essen zu können. Stress und Schlaf beeinflussen den Darm stark. Beschwerden schwanken, auch ohne Ernährungsfehler.