Dieser Leitfaden unterstützt die Beratung von Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes. Grundlage sind die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft und die großen Präventionsstudien.
Ziel und Einsatz
Bei Prädiabetes steht die Verhinderung oder Verzögerung eines Diabetes im Vordergrund. Die Lebensstilintervention im Diabetes Prevention Program senkte das Risiko um 58 Prozent. Bei bestehendem Diabetes geht es um individuelle Therapieziele, weniger Folgeerkrankungen und bei kurzer Erkrankungsdauer und Übergewicht auch um die Möglichkeit einer Remission durch deutliche Gewichtsabnahme.
Vorbereitung
Benötigt werden HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) und Blutzuckerwerte, Blutdruck, Blutfette, Nierenwerte, Gewicht und Taillenumfang sowie die vollständige Medikation. Besonders wichtig ist zu wissen, ob Insulin, Sulfonylharnstoffe oder SGLT2-Hemmer (SGLT2: Natrium-Glukose-Cotransporter 2) eingenommen werden, da diese das Vorgehen bei Kohlenhydratreduktion und Fasten beeinflussen.
Gesprächsablauf
Wissen und Erleben erfragen
Was weiß die Person über ihre Erkrankung, welche Sorgen und Vorstellungen hat sie? Viele Menschen haben bereits widersprüchliche Ernährungsregeln gehört, etwa strikte Zuckerverbote oder Diabetikerprodukte.
Ernährungsmuster einordnen
Mahlzeitenstruktur, Kohlenhydratquellen, Getränke, Portionsgrößen und Snacks erfassen. Zuckerhaltige Getränke und Säfte sind häufig der wirksamste Ansatzpunkt, gefolgt von Weißmehlprodukten und großen Portionen stärkehaltiger Beilagen.
Passendes Ernährungsmuster wählen
Mediterrane, pflanzenbetonte oder moderat kohlenhydratreduzierte Kost sind gleichermaßen möglich. Entscheidend ist, was die Person dauerhaft umsetzen kann. Ballaststoffreiche Kohlenhydrate, Hülsenfrüchte, Gemüse, Nüsse und ungesättigte Fette bilden die Basis.
Bewegung und Gewicht einbeziehen
Mindestens 150 Minuten Ausdauerbewegung pro Woche und Krafttraining an zwei Tagen verbessern die Insulinempfindlichkeit. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme das stärkste Mittel, bei kurzer Diabetesdauer können 10 bis 15 kg eine Remission ermöglichen.
Sicherheit und Nachsorge
Unterzuckerungsrisiken besprechen und bei Therapieänderungen mit der behandelnden Praxis abstimmen. Folgetermine mit HbA1c-Verlauf einplanen und die Teilnahme an strukturierten Schulungsprogrammen fördern.
Kernbotschaften für Klientinnen und Klienten
Es gibt keine spezielle Diabetesdiät. Auch mit Diabetes ist eine genussvolle, vielseitige Ernährung möglich. Getränke mit Zucker sind der größte und einfachste Hebel. Bewegung wirkt direkt auf den Blutzucker. Jedes Kilogramm weniger zählt.