Prädiabetes

Prädiabetes ist eine Vorstufe des Diabetes. Der Blutzucker ist bereits erhöht, erreicht aber noch nicht die Grenzwerte für einen Diabetes Typ 2. Die meisten Betroffenen wissen nichts davon, weil Prädiabetes keine Beschwerden verursacht.

Warum ist das wichtig?

Menschen mit Prädiabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahren an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Schon in dieser Phase können Gefäße, Nieren und Nerven Schaden nehmen. Gleichzeitig ist Prädiabetes der Zeitpunkt, an dem ein Lebensstilwandel am meisten bewirkt: In großen Studien senkten mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und eine moderate Gewichtsabnahme das Diabetesrisiko um mehr als die Hälfte.

Zahlen und Referenzwerte

MessungNormalPrädiabetes
Nüchternblutzuckerunter 100 mg/dl100 bis 125 mg/dl
HbA1cunter 5,7 %5,7 bis 6,4 %
Zuckerbelastungstest (2 Stunden)unter 140 mg/dl140 bis 199 mg/dl

Was bedeutet das im Alltag?

  • 5 bis 7 Prozent Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche, verteilt auf mehrere Tage
  • Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und Nüsse statt Weißmehl und Süßwaren
  • Wasser statt zuckergesüßter Getränke
  • ausreichend Schlaf und Pausen vom Sitzen

Wer besonders betroffen ist

Übergewicht mit Bauchfett, Bewegungsmangel, Diabetes in der Familie, ein früherer Schwangerschaftsdiabetes, PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom), Bluthochdruck und erhöhte Blutfette erhöhen das Risiko.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Prädiabetes ist ein ernstzunehmendes Warnsignal und mehr als „ein bisschen Zucker“.
  • Die Entwicklung zum Diabetes ist nicht zwangsläufig und lässt sich oft aufhalten.
  • Normale Werte beim letzten Check schließen einen Anstieg in den Folgejahren nicht aus.

Für Fachkräfte

Das Diabetes Prevention Program zeigte, dass eine Lebensstilintervention mit etwa 7 Prozent Gewichtsabnahme und 150 Minuten Bewegung pro Woche das Diabetesrisiko um 58 Prozent senkt. Ähnliche Ergebnisse brachte die finnische Diabetes-Präventionsstudie. Zur Risikoabschätzung eignet sich der FINDRISK-Fragebogen (FINDRISK: Finnischer Diabetes-Risiko-Score), zur Diagnose Nüchternglukose, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) und gegebenenfalls ein oraler Glukosetoleranztest.

Beratung wirkt am besten, wenn sie konkrete, messbare Ziele vereinbart und über mehrere Monate begleitet. Präventionskurse nach Paragraf 20 SGB V (Fünftes Buch Sozialgesetzbuch) und digitale Gesundheitsanwendungen können ergänzen. Menschen mit früherem Schwangerschaftsdiabetes oder PCOS sollten aktiv auf ihr Risiko angesprochen werden. Vertiefend: Beratungsleitfaden Typ-2-Diabetes.

Verwandte Begriffe

Quellen