Lebensmittelallergien

Bei einer Lebensmittelallergie reagiert das Immunsystem überschießend auf bestimmte Eiweiße in Lebensmitteln. Meist bildet der Körper dabei Antikörper vom Typ IgE (Immunglobulin E), die bei erneutem Kontakt die Freisetzung von Histamin und anderen Botenstoffen auslösen. Die Beschwerden treten oft innerhalb von Minuten bis zwei Stunden auf und reichen von Juckreiz im Mund über Nesselsucht, Erbrechen und Durchfall bis zu Atemnot und Kreislaufversagen.

Warum ist das wichtig?

Im Unterschied zu Intoleranzen können schon kleinste Mengen eines Allergens schwere Reaktionen auslösen. Die gefährlichste Form ist die Anaphylaxie, ein Notfall, der mit Adrenalin behandelt werden muss. Deshalb ist eine sichere Diagnose so wichtig, ebenso wie der Schutz vor unnötigen Verboten bei Menschen, die nur positive Testergebnisse ohne Beschwerden haben.

Zahlen und Referenzwerte

Eine ärztlich gesicherte Lebensmittelallergie haben in Europa schätzungsweise zwei bis vier Prozent der Erwachsenen und etwas mehr Kinder. Selbst berichtete Allergien sind deutlich häufiger. Bei Kindern sind Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Weizen, Soja und Nüsse die häufigsten Auslöser. Bei Erwachsenen überwiegen pollenassoziierte Kreuzallergien sowie Allergien auf Nüsse, Fisch und Schalentiere. In der EU müssen 14 Hauptallergene im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden.

Was bedeutet das im Alltag?

Nach der Diagnose ist das konsequente Meiden des Auslösers die wichtigste Maßnahme. Das erfordert das Lesen jeder Zutatenliste, Nachfragen im Restaurant und Vorsicht bei unverpackten Lebensmitteln. Eine allergologische Ernährungsberatung hilft, Ersatzlebensmittel zu finden und Nährstofflücken zu vermeiden, besonders bei Kindern mit Milchallergie. Viele Kinder verlieren ihre Allergie gegen Milch oder Ei bis zum Schulalter wieder, was regelmäßig überprüft werden sollte.

Wer besonders betroffen ist

Kinder mit Neurodermitis oder Asthma und Kinder aus Familien mit Allergien haben ein höheres Risiko. Nach heutigem Wissen schützt das Hinauszögern von Beikost nicht vor Allergien. Allergene wie Ei und Erdnuss sollten im ersten Lebensjahr in altersgerechter Form eingeführt werden.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

IgG-Tests (IgG: Immunglobulin G), Bioresonanz und Haaranalysen sind zur Allergiediagnostik ungeeignet. Auch ein positiver Haut- oder Bluttest allein beweist keine Allergie. Entscheidend ist der Zusammenhang mit tatsächlichen Beschwerden, im Zweifel geprüft durch eine ärztlich überwachte Provokation.

Für Fachkräfte

Die Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien beschreibt ein Vorgehen aus Anamnese, Sensibilisierungsdiagnostik mit Haut- und Bluttests einschließlich Komponentendiagnostik und bei unklarer Relevanz einer ärztlich überwachten oralen Provokation. Eine Sensibilisierung ohne Beschwerden rechtfertigt keine Eliminationsdiät. IgG-Tests sind zur Diagnostik ungeeignet.

Die allergologische Ernährungstherapie umfasst die sichere Meidung der Auslöser, das Lesen der Zutatenliste, die Bedeutung von Spurenhinweisen und die Sicherstellung der Nährstoffversorgung, besonders bei Kindern mit Milch- oder Mehrfachallergien. Bei Anaphylaxierisiko gehören ein Notfallplan und eine Schulung zum Adrenalin-Autoinjektor dazu. Regelmäßige Re-Evaluation ist wichtig, da Kinder Allergien gegen Milch und Ei oft verlieren.

Verwandte Begriffe

Quellen