Histaminintoleranz

Als Histaminintoleranz oder Histaminunverträglichkeit wird eine Reaktion auf Histamin aus Lebensmitteln bezeichnet. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der auch bei allergischen Reaktionen freigesetzt wird. Es entsteht zudem in Lebensmitteln bei Reifung, Gärung und mikrobiellem Verderb. Typische Beschwerden sind Hautrötung, Kopfschmerzen, laufende Nase, Herzklopfen und Magen-Darm-Beschwerden.

Warum ist das wichtig?

Die Histaminintoleranz ist wissenschaftlich umstritten. Diskutiert wird vor allem, dass das Enzym Diaminoxidase, das Histamin im Darm abbaut, zu wenig aktiv sein könnte. Ein zuverlässiger Test existiert bislang nicht. Die Bestimmung der Diaminoxidase im Blut hat sich als ungeeignet erwiesen. Die Diagnose wird daher über den Ausschluss anderer Ursachen und einen gezielten Auslass- und Belastungsversuch gestellt. Gleichzeitig wird die Diagnose häufig vorschnell gestellt, was zu unnötig eingeschränkter Ernährung führen kann.

Zahlen und Referenzwerte

Die Häufigkeit wird auf etwa ein Prozent der Bevölkerung geschätzt, gesicherte Zahlen fehlen. Grenzwerte für Histamin gibt es in der EU nur für bestimmte Fischarten wie Thunfisch und Makrele, weil verdorbener Fisch zu echten Histaminvergiftungen führen kann. Viel Histamin enthalten lange gereifter Käse, Rohwurst wie Salami, Sauerkraut, Rotwein, Sekt und Fischkonserven.

Was bedeutet das im Alltag?

Bei Verdacht kann eine histaminarme Ernährung für zwei bis vier Wochen zeigen, ob sich Beschwerden bessern. Frische, unverarbeitete Lebensmittel sind meist histaminarm. Reste sollten rasch gekühlt werden, Fisch und Fleisch möglichst frisch verzehrt werden. Danach werden Lebensmittel einzeln wieder eingeführt, um die individuelle Verträglichkeit zu ermitteln. Alkohol kann den Histaminabbau hemmen und Beschwerden verstärken.

Wer besonders betroffen ist

Häufiger berichten Frauen mittleren Alters über Beschwerden. Bestimmte Medikamente wie einige Schmerz-, Husten- und Blutdruckmittel können den Histaminabbau hemmen.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

Lange Listen mit angeblich histaminfreisetzenden Lebensmitteln wie Tomaten, Erdbeeren oder Zitrusfrüchten beruhen nur auf schwachen Belegen. Präparate mit Diaminoxidase werden viel verkauft, ihr Nutzen ist aber nicht ausreichend belegt.

Verwandte Begriffe

Quellen