Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Sie ist in Deutschland die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion und betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Oft verläuft sie über Jahre unbemerkt.
Warum ist das wichtig?
Mit der Zeit kann die Schilddrüse weniger Hormone bilden. Typische Folgen einer Unterfunktion sind Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, Verstopfung, trockene Haut und depressive Verstimmung. Die Behandlung erfolgt mit Schilddrüsenhormonen als Tablette, wenn eine Unterfunktion vorliegt. Eine Heilung ist bisher nicht möglich, die Beschwerden lassen sich aber meist gut behandeln.
Was bedeutet das im Alltag?
Eine spezielle Hashimoto-Diät mit belegtem Nutzen gibt es nicht. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung nach den allgemeinen Empfehlungen.
- Jod: Die normale Jodzufuhr über Jodsalz, Milchprodukte und Fisch gilt bei Hashimoto als unbedenklich. Auf hoch dosierte Jodpräparate und Algen sollte verzichtet werden.
- Selen: Einige Studien zeigen, dass Selen die Antikörperwerte senken kann. Ob sich dadurch Beschwerden oder Verlauf bessern, ist nicht gesichert. Präparate sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
- Gluten: Ein glutenfreies Essen hilft nur, wenn zusätzlich eine Zöliakie vorliegt, die bei Hashimoto etwas häufiger vorkommt.
- Gewicht: Eine gut eingestellte Hormontherapie normalisiert den Stoffwechsel. Eine anhaltende Gewichtszunahme hat dann meist andere Ursachen.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
- Jod löst Hashimoto in üblichen Mengen nicht aus.
- Es gibt keinen belegten Nutzen für generellen Verzicht auf Milch, Gluten oder Soja.
- Müdigkeit trotz normaler Werte hat oft andere Ursachen, die abgeklärt werden sollten.
Für Fachkräfte
Für eine spezifische Hashimoto-Diät gibt es keine belastbare Evidenz. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit normaler Jodversorgung über Jodsalz. Hochdosierte Jodpräparate und jodreiche Algen sollten gemieden werden. Die Datenlage zu Selen ist uneinheitlich, eine Supplementierung sollte nur nach ärztlicher Abwägung erfolgen.
Da Autoimmunerkrankungen gehäuft gemeinsam auftreten, ist bei passenden Beschwerden an eine Zöliakie zu denken. Glutenfreie Ernährung ohne nachgewiesene Zöliakie hat keinen belegten Nutzen für die Schilddrüse. Levothyroxin sollte nüchtern und mit Abstand zu Kaffee, Calcium-, Eisen- und Magnesiumpräparaten eingenommen werden. Biotinpräparate können Laborwerte verfälschen. Gewichtszunahme bei Hypothyreose ist unter adäquater Therapie meist gering und sollte mit den üblichen Strategien begleitet werden.