Ernährung in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen deutlich, der Energiebedarf dagegen nur wenig. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät deshalb, auf die Qualität des Essens zu achten und die Menge kaum zu verändern.

Warum ist das wichtig?

Die Ernährung der Mutter versorgt das wachsende Kind und beeinflusst den Verlauf der Schwangerschaft. Eine zu hohe Gewichtszunahme erhöht das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Komplikationen bei der Geburt. Gleichzeitig können bestimmte Krankheitserreger in Lebensmitteln wie Listerien und Toxoplasmen das ungeborene Kind schädigen.

Zahlen und Referenzwerte

Für die meisten Schwangeren ist keine nennenswerte Erhöhung der Energiezufuhr nötig. Erst in den letzten Monaten kommt etwa eine zusätzliche Scheibe Brot mit Belag am Tag hinzu. Deutlich erhöht ist dagegen der Bedarf an Folat, Jod, Eisen, Zink und einigen Vitaminen.

PräparatEmpfehlung
Folsäure400 µg täglich, mindestens bis Ende des ersten Drittels
Jod100 bis 150 µg täglich, nach ärztlicher Rücksprache
DHA (Omega-3)200 mg täglich, wenn nicht regelmäßig fettreicher Meeresfisch gegessen wird
Eisennur nach ärztlicher Diagnose eines Mangels
Vitamin B12bei veganer Ernährung zwingend

Koffein sollte auf höchstens 200 mg am Tag begrenzt werden, das entspricht etwa zwei Tassen Filterkaffee. Alkohol sollte in der gesamten Schwangerschaft vollständig gemieden werden.

Was bedeutet das im Alltag?

Die Grundlage ist eine pflanzenbetonte, abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und Fisch. Zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen gilt:

  • nur durchgegartes Fleisch, Geflügel, Fisch und Eier essen
  • auf Rohmilch und Rohmilchkäse, Weichkäse mit Rinde, rohen und geräucherten Fisch, Rohwurst und vorgeschnittene, abgepackte Salate verzichten
  • Obst, Gemüse und Kräuter gründlich waschen
  • Hände nach Kontakt mit rohem Fleisch, Erde oder Katzenstreu waschen

Große Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt, Aal und Hai sollten wegen möglicher Quecksilberbelastung gemieden werden. Leber ist im ersten Drittel wegen des hohen Vitamin-A-Gehalts ungeeignet.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Für zwei essen ist nicht nötig und kann zu einer zu hohen Gewichtszunahme führen.
  • Ein Glas Sekt zum Anstoßen ist nicht unbedenklich. Für Alkohol gibt es in der Schwangerschaft keine sichere Menge.
  • Fisch sollte nicht gemieden werden. Er ist wegen Jod und DHA wertvoll, nur rohe Zubereitungen und große Raubfische sind tabu.

Für Fachkräfte

Grundlage der Beratung sind die bundesweit abgestimmten Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben. Empfohlen werden Folsäure ab Kinderwunsch, ein Jodpräparat, Vitamin B12 bei veganer Ernährung sowie Omega-3-Fettsäuren über Fisch oder bei Bedarf als Präparat. Eisen wird nur nach ärztlicher Feststellung eines Mangels ergänzt. Der Energiebedarf steigt nach aktueller Einschätzung nur geringfügig.

Zu den Pflichtthemen gehören die Lebensmittelhygiene zur Vermeidung von Listeriose und Toxoplasmose, der Verzicht auf Alkohol und Rauchen, der moderate Koffeinkonsum sowie eine angemessene Gewichtszunahme abhängig vom Ausgangs-BMI. Bei Gestationsdiabetes ist die Ernährungstherapie ein zentraler Baustein. Vertiefend: Beratungsleitfaden Schwangerschaft und Stillzeit.

Verwandte Begriffe

Quellen