Ob Kapseln gegen Krebs, eine Diät, die Diabetes heilt, oder ein Pulver, das den Körper entgiftet: Rund um Ernährung kursieren viele Versprechen, die weit über das hinausgehen, was sich belegen lässt. Solche Heilversprechen sind in der Werbung für Lebensmittel in der EU verboten. In sozialen Medien, Büchern, Onlinekursen und auf Verkaufsseiten begegnen sie einem trotzdem häufig.
Warum ist das wichtig?
Unseriöse Heilversprechen kosten Geld und Hoffnung. Gefährlich werden sie, wenn Menschen deshalb eine wirksame Behandlung verzögern oder abbrechen, etwa bei Krebs, Diabetes oder Bluthochdruck. Studien zeigen, dass Menschen mit Krebs, die ausschließlich alternative Verfahren nutzen und die empfohlene Therapie ablehnen, eine deutlich schlechtere Überlebenschance haben. Auch hoch dosierte Präparate und extreme Diäten können direkt schaden.
Zahlen und Referenzwerte
Für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind Aussagen zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten grundsätzlich unzulässig. Erlaubt sind nur geprüfte Aussagen zu normalen Körperfunktionen aus der Liste der EU. Wer Verfahren oder Behandlungen gegenüber Laien bewirbt, unterliegt zusätzlich dem Heilmittelwerbegesetz. Es verbietet unter anderem, eine Wirkung mit Sicherheit zu versprechen, und untersagt die Werbung mit der Heilung von Krebs, Suchterkrankungen und bestimmten Infektionskrankheiten.
Was bedeutet das im Alltag?
Einige Warnzeichen helfen, unseriöse Angebote zu erkennen.
- Ein Mittel soll gegen viele unterschiedliche Krankheiten helfen.
- Die Wirkung wird garantiert oder als sensationell, sofort oder ohne Nebenwirkungen beschrieben.
- Es heißt, Ärztinnen, Ärzte oder die Pharmaindustrie würden das Wissen unterdrücken.
- Als Belege dienen vor allem Erfahrungsberichte, Vorher-nachher-Bilder oder ein einzelner Experte.
- Es wird Angst gemacht oder Zeitdruck aufgebaut, etwa mit knappen Angeboten.
- Verkauft werden teure Kuren, Abos oder eigene Tests mit anschließender Produktempfehlung.
- Es wird geraten, Medikamente abzusetzen oder auf ärztliche Behandlung zu verzichten.
Seriöse Informationen nennen dagegen Grenzen und Unsicherheiten, verweisen auf Studien und Leitlinien, empfehlen bei Beschwerden eine ärztliche Abklärung und verkaufen nicht gleichzeitig das empfohlene Produkt. In sozialen Medien muss Werbung als solche gekennzeichnet sein. Fehlt die Kennzeichnung bei offensichtlicher Produktempfehlung, ist Vorsicht angebracht.
Wer besonders betroffen ist
Menschen mit schweren oder chronischen Erkrankungen, ihre Angehörigen und Menschen, die mit der Behandlung unzufrieden sind, sind besonders empfänglich für Heilversprechen. Auch Eltern, die ihren Kindern helfen möchten, werden gezielt angesprochen.
Wann fachliche Einordnung wichtig ist
Häufige Missverständnisse
Natürlich bedeutet nicht harmlos, und viele Erfahrungsberichte ersetzen keine Studie. Auch ein Doktortitel, ein Buch oder viele Follower sagen nichts darüber aus, ob ein Verfahren wirkt. Krankheiten feststellen und behandeln dürfen in Deutschland nur Menschen mit einer Heilerlaubnis, also vor allem Ärztinnen, Ärzte und Heilpraktiker. Ernährung kann den Verlauf vieler Erkrankungen günstig beeinflussen. Sie ist dann ein Baustein der Behandlung und kein Ersatz für eine wirksame Therapie.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Verbraucherzentrale: Werbung mit Gesundheit, meist zu viel versprochen
- Lebensmittelklarheit: Gesundheitsbezogene Werbung
- Johnson SB et al. (2018): Use of Alternative Medicine for Cancer and Its Impact on Survival. J Natl Cancer Inst
- Krebsinformationsdienst: Alternative Medizin und Komplementärmedizin bei Krebs