Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Empfehlungen, die Ärzt:innen, Therapeut:innen und Patient:innen bei Entscheidungen unterstützen. In Deutschland werden sie von wissenschaftlichen Fachgesellschaften erstellt und im Register der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht.
Warum ist das wichtig?
Leitlinien bündeln das aktuelle Wissen zu einer Erkrankung und bewerten, wie gut einzelne Maßnahmen belegt sind. Für die Ernährungstherapie sind zum Beispiel die Leitlinien zu Adipositas, Diabetes, Fettleber, Reizdarm, Zöliakie oder Mangelernährung wichtig. Sie sind Orientierung für die Behandlung, aber keine starren Vorschriften. Im Einzelfall kann und soll davon abgewichen werden, wenn es begründet ist.
Die Entwicklungsstufen
| Stufe | Bedeutung |
|---|---|
| S1 | Handlungsempfehlung einer Expertengruppe, informeller Konsens |
| S2k | formaler Konsens einer repräsentativ zusammengesetzten Gruppe |
| S2e | systematische Auswertung der Studienlage, ohne formalen Konsens |
| S3 | systematische Evidenzbewertung und formaler Konsens, höchste Qualitätsstufe |
Viele Leitlinien gibt es zusätzlich als Patientenleitlinie in verständlicher Sprache.
Was bedeutet das im Alltag?
Wer sich über eine Erkrankung informiert, findet im AWMF-Register die aktuelle Leitlinie und oft eine Patientenversion. Leitlinien haben ein Gültigkeitsdatum, nach dem sie überarbeitet werden sollen.
Häufige Missverständnisse
- Leitlinien sind kein Gesetz. Sie beschreiben den Regelfall.
- Nicht jede Empfehlung in einer S3-Leitlinie ist gleich gut belegt. Die Empfehlungsstärke steht jeweils dabei.
- Die DGE-Empfehlungen (DGE: Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für die Allgemeinbevölkerung sind keine medizinischen Leitlinien für Erkrankte.