Gicht

Gicht ist eine entzündliche Gelenkerkrankung. Sie entsteht, wenn der Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft zu hoch ist und sich Harnsäurekristalle in Gelenken und Gewebe ablagern. Ein Gichtanfall zeigt sich typischerweise durch plötzliche, sehr starke Schmerzen, Rötung und Schwellung, häufig zuerst am Großzehengrundgelenk.

Warum ist das wichtig?

Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung in Deutschland. Etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, Männer rund fünfmal häufiger als Frauen. Bei Frauen tritt sie meist erst nach den Wechseljahren auf. Unbehandelt kann Gicht Gelenke dauerhaft schädigen und Nierensteine verursachen. Sie geht zudem häufig mit Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Nierenerkrankungen einher.

Zahlen und Referenzwerte

Von einem erhöhten Harnsäurewert spricht man ab 6,8 mg/dl. Ab diesem Wert kann Harnsäure auskristallisieren. Nicht jeder Mensch mit erhöhter Harnsäure bekommt Gicht. Unter einer Behandlung wird meist ein Zielwert unter 6 mg/dl angestrebt.

Was bedeutet das im Alltag?

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Die Ernährung kann den Harnsäurespiegel senken, ersetzt bei häufigen Anfällen aber keine Medikamente.

Eher meiden oder reduzierenGut geeignet
Innereien, viel Fleisch und WurstGemüse, auch purinreiches wie Hülsenfrüchte oder Spinat
Meeresfrüchte, Sardinen, Heringfettarme Milchprodukte
Bier, auch alkoholfreies, und hochprozentige GetränkeVollkorn, Obst in üblichen Mengen
mit Fruchtzucker gesüßte Getränke und Säftereichlich Wasser, Kaffee in Maßen

Purinreiche pflanzliche Lebensmittel zeigten in Studien keinen ungünstigen Einfluss auf die Gicht. Eine langsame Gewichtsabnahme bei Übergewicht senkt die Harnsäure. Crash-Diäten und Fasten können dagegen einen Anfall auslösen.

Wann fachliche Einordnung wichtig ist

Häufige Missverständnisse

  • Gicht hat viele Ursachen. Erbliche Faktoren und die Nierenfunktion spielen eine große Rolle.
  • Hülsenfrüchte und Gemüse müssen bei Gicht nicht gemieden werden.
  • Alkoholfreies Bier enthält ebenfalls Purine.

Für Fachkräfte

Bei harnsäuresenkender Therapie wird ein Serum-Harnsäurewert unter 6 mg/dl angestrebt, bei Tophi auch niedriger. Die Ernährung allein senkt die Harnsäure meist nur geringfügig und reicht bei wiederkehrenden Anfällen selten aus. Ihre Rolle liegt vor allem in der Senkung des Anfallsrisikos und in der Behandlung der häufigen Begleiterkrankungen wie Adipositas, Hypertonie, Diabetes und Fettleber.

In der Beratung sind Alkohol, insbesondere Bier, fruktosehaltige Getränke, Innereien, große Fleisch- und Meeresfrüchteportionen und Crash-Diäten die wichtigsten Stellschrauben. Pflanzliche Purinquellen wie Hülsenfrüchte müssen nicht gemieden werden. Fettarme Milchprodukte und eine ausreichende Trinkmenge sind günstig. Strenge purinarme Diäten mit Tabellen sind heute nicht mehr üblich und erschweren die Adhärenz.

Verwandte Begriffe

Quellen