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Hülsenfrüchte als Hoffnungsträger für Ernährung und Landwirtschaft

Kichererbsen verbindet man eher mit Hummus und der Küche des Mittelmeerraums als mit einem Acker in Deutschland. Doch genau solche Felder könnten künftig häufiger zum Bild der heimischen Landwirtschaft gehören. An der Universität Hohenheim wird erforscht, wie sich Kichererbsen und andere, bislang wenig verbreitete Hülsenfrüchte unter deutschen Standortbedingungen anbauen lassen. Sie bereichern die Landwirtschaft, können den Düngebedarf verringern und liefern wertvolle Nährstoffe. Auch die staatliche Forschungsförderung nimmt den heimischen Anbau verstärkt in den Blick.

Hinter diesen Versuchen steht eine Frage, die angesichts des Klimawandels immer wichtiger wird: Welche Pflanzen kommen mit veränderten Wetterbedingungen zurecht und können gleichzeitig unsere Lebensmittelversorgung vielfältiger machen?

Rezeptideen

Wenn Sie gesunde Mahlzeiten auf Basis von Hülsenfrüchten gern direkt selbst ausprobieren möchten, haben wir für Sie Rezepte zur Inspiration:

Wenn der Sommer den Anbau verändert

Längere Trockenperioden und hohe Temperaturen stellen landwirtschaftliche Betriebe vor neue Herausforderungen. Einige Hülsenfrüchte bieten hier interessante Möglichkeiten. Kichererbsen stammen aus Regionen mit warmem Klima und gelten als vergleichsweise trockenheitstolerant. Auch Lupinen und Sojabohnen werden hinsichtlich ihrer Eignung für veränderte Standortbedingungen untersucht.

Allerdings unterscheiden sich die Ansprüche der Pflanzen erheblich. Ackerbohnen beispielsweise benötigen besonders während der Blüte ausreichend Wasser. Welche Kulturen sich künftig eignen, hängt deshalb von Bodenbeschaffenheit, Klima, Sortenwahl und Anbauverfahren ab.

Auf deutschen Feldern gewinnen Hülsenfrüchte langsam an Bedeutung. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft wurden 2025 rund 2,6 Prozent der Ackerfläche für Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung genutzt. Seit 2016 hat sich die Anbaufläche mehr als verdoppelt. Dennoch spielt die Pflanzengruppe im Vergleich zu Getreide und Mais weiterhin eine untergeordnete Rolle.

Besondere Stärke liegt unter der Erde

An den Wurzeln vieler Hülsenfrüchte bilden sich kleine Knöllchen, in denen Bakterien leben. Diese Mikroorganismen können Stickstoff aus der Luft binden und in eine Form umwandeln, die für die Pflanzen nutzbar ist. Dadurch benötigen Leguminosen unter geeigneten Bedingungen weniger zusätzlichen Stickstoffdünger. Auch nachfolgende Kulturen können von dieser natürlichen Stickstoffversorgung profitieren.

Für die Landwirtschaft ist das ein wichtiger Vorteil. Werden beispielsweise Getreide und Leguminosen sinnvoll in der Fruchtfolge kombiniert, kann dies die Bodenfruchtbarkeit unterstützen und die Vielfalt auf den Feldern erhöhen. Wie groß diese Effekte ausfallen, hängt von den jeweiligen Anbaubedingungen ab.

Die besondere Fähigkeit der Hülsenfrüchte macht sie damit auch aus ökologischer Sicht interessant. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich ihr Anbau unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten stärker etablieren lässt.

Bund fördert heimischen Leguminosenanbau

Dass Hülsenfrüchte zunehmend in den Fokus rücken, zeigt auch die staatliche Forschungsförderung. Im März 2026 veröffentlichte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat eine neue Bekanntmachung zur Förderung nachhaltiger Anbausysteme mit Leguminosen.

Im Rahmen der bestehenden Eiweißpflanzenstrategie sollen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben untersuchen, wie sich der Anbau von Erbsen, Bohnen, Lupinen und weiteren Leguminosen verbessern lässt. Ein Schwerpunkt liegt auf Mischkulturen, bei denen mehrere Pflanzenarten gemeinsam angebaut werden. Untersucht werden sollen unter anderem Erträge, Bodenfruchtbarkeit, Klimaresilienz und wirtschaftlich tragfähige Anbauverfahren.

Die Frist für Projektskizzen endete bereits am 21. Mai 2026. Für ausgewählte Forschungsvorhaben ist ein Projektbeginn ab 2027 vorgesehen.

Auch in Sachsen wird an der Weiterentwicklung des Anbaus gearbeitet. Im Juni 2026 veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Praxisempfehlung zum Linsenanbau. Über das bundesweite Netzwerk LeguNet wurden dazu Demonstrationsbetriebe gesucht, um Erfahrungen mit heimischen Eiweißpflanzen zu sammeln und den Austausch zwischen Landwirtschaft und Forschung zu fördern.

Wie viel Entwicklungspotenzial noch besteht, zeigt der Blick auf die Verwendung der Ernte. Der überwiegende Teil der in Deutschland angebauten Körnerleguminosen dient bislang als Futtermittel. Nur etwa 15 Prozent der Erntemenge werden für die Lebensmittelherstellung genutzt. Damit mehr heimische Hülsenfrüchte direkt auf unseren Tellern landen können, braucht es neben geeigneten Anbauverfahren auch Verarbeitungsmöglichkeiten und Absatzmärkte.

Gute Gründe für mehr Hülsenfrüchte auf dem Teller

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sprechen schon heute viele Gründe dafür, häufiger zu Linsen, Bohnen, Erbsen oder Kichererbsen zu greifen. Sie liefern pflanzliches Protein und enthalten wertvolle Ballaststoffe, Folat sowie Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink.

Besonders interessant sind die Ballaststoffe. Sie tragen zu einer guten Sättigung bei und dienen bestimmten Darmbakterien als Nahrung. Der regelmäßige Verzehr von Hülsenfrüchten kann außerdem günstige Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen mindestens eine Portion Hülsenfrüchte pro Woche. Das entspricht ungefähr 125 Gramm gegarter Bohnen, Erbsen oder Linsen. Bei einer stärker pflanzenbetonten Ernährung können Hülsenfrüchte auch häufiger auf dem Speiseplan stehen.

Hinzu kommt ihre vergleichsweise günstige Klimabilanz. Laut einer von der DGE veröffentlichten Übersicht verursacht die Produktion eines Kilogramms getrockneter Linsen geschätzt rund 1,2 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Bei einem Kilogramm Rindfleisch sind es durchschnittlich 13,3 Kilogramm. Die genauen Werte hängen von der Berechnungsmethode und den Produktionsbedingungen ab. Besonders wirksam für den Klimaschutz ist der Austausch emissionsintensiver tierischer Lebensmittel gegen geeignete pflanzliche Alternativen.

Vom Acker in die Küche

Im Ernährungsalltag lassen sich Hülsenfrüchte vielseitig einsetzen. Rote Linsen beispielsweise garen meist innerhalb von 10 bis 15 Minuten und eignen sich für Suppen, Currys oder Brotaufstriche. Vorgegarte Kichererbsen aus dem Glas sind eine praktische Grundlage für Hummus und Salate. Weiße Bohnen passen in Eintöpfe und können püriert auch Soßen eine cremige Konsistenz verleihen.

Wer bisher selten Hülsenfrüchte isst, kann mit kleinen Portionen beginnen und die Menge schrittweise steigern. Das erleichtert dem Verdauungssystem die Gewöhnung. Getrocknete Bohnen müssen vor dem Verzehr ausreichend gegart werden.

Ob künftig mehr Linsen und Kichererbsen aus regionalem Anbau erhältlich sein werden, hängt von der weiteren Entwicklung in Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel ab. Die aktuellen Forschungsprojekte und Fördermaßnahmen zeigen jedenfalls, dass ihr Potenzial zunehmend erkannt wird.

Vielleicht beginnt die Ernährung der Zukunft damit ganz unspektakulär: mit einer Handvoll Linsen, die auf dem Acker ebenso viel zu bieten hat wie später auf dem Teller.

Quellen und weiterführende Informationen

Was sind eigentlich Leguminosen?

Leguminosen sind Pflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Dazu gehören unter anderem Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Soja und Lupinen. Ihre Samen sind reich an pflanzlichem Eiweiß, Ballaststoffen und wertvollen Mineralstoffen. Mithilfe von Bakterien an ihren Wurzeln können viele Leguminosen Stickstoff aus der Luft binden und für ihr Wachstum nutzen. Dadurch benötigen sie häufig weniger Stickstoffdünger und können zur Bodenfruchtbarkeit beitragen. Das macht sie sowohl für eine nachhaltige Landwirtschaft als auch für eine ausgewogene Ernährung interessant.

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