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Neuer Parlamentskreis Prävention im Bundestag
Ausgewogen essen, mehr Bewegung, Verzicht auf Tabak, weniger Alkohol: Die Botschaften sind bekannt. Was häufig fehlt, sind Bedingungen, unter denen Menschen diese Empfehlungen im Alltag auch umsetzen können. Wer Gesundheit fördern will, muss deshalb über Arztpraxen, Krankenkassen und individuelle Lebensstile hinausdenken.
Diesen größeren Blick will der neue Parlamentskreis „Prävention“ stärken. Gesundheitsförderung soll dort verankert werden, wo Gesundheit täglich entsteht: in der Arbeitswelt, in Kommunen, in Schulen, in der Stadtplanung, in der Ernährungspolitik und in der gesundheitlichen Versorgung.
Gegründet wurde der Kreis von Abgeordneten aus mehreren Fraktionen. Zum Vorstand gehören Anne Janssen (CDU), Dr. Tanja Machalet (SPD), Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), Ates Gürpinar (Die Linke) und Emmi Zeulner (CSU). Begleitet wurde die Gründung unter anderem von Britta Steffen und Sarah Wiener, die beide unterschiedliche Perspektiven auf Bewegung, Ernährung und Gesundheitsförderung einbrachten.
Gesundheit entsteht im Alltag
Spannend ist an der Initiative vor allem der Blick auf die Verhältnisse. Prävention wird oft als individuelle Aufgabe verstanden: Wer gesund bleiben möchte, soll bewusster einkaufen, öfter kochen, sich mehr bewegen und Risiken meiden. Das ist richtig, reicht aber allein nicht aus. Entscheidend ist auch, ob gesunde Entscheidungen im Alltag realistisch sind.
Wenn frisches Essen teurer ist als stark verarbeitete Produkte, Kinder ständig Werbung für Süßes sehen oder Bewegung im Alltag kaum Platz findet, wird Prävention zur Frage der Umgebung. Der Parlamentskreis nennt deshalb unter anderem Werbeeinschränkungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, steuerliche Entlastungen für gesunde Lebensmittel sowie stärkere Regeln bei Tabak und Alkohol als mögliche Handlungsfelder.
Ernährungspolitik entscheidet sich im Alltag
Die Gründung des Parlamentskreises ist auch für die Ernährungsprävention (siehe Infobox) ein wichtiges Signal. Denn wie Menschen essen, wird nicht allein durch Wissen, Motivation oder individuelle Disziplin geprägt. Entscheidend sind ebenso die Bedingungen, unter denen Ernährungsentscheidungen täglich getroffen werden: in Kitas, Schulen, Kantinen, Supermärkten, Kommunen, Familien und Betrieben.
Konkrete Fortschritte könnten dort entstehen, wo gesunde Angebote leichter zugänglich werden: bezahlbare frische Lebensmittel, bessere Gemeinschaftsverpflegung, mehr Ernährungsbildung, weniger an Kinder gerichtete Werbung für stark zuckerhaltige Produkte und Arbeitsumgebungen, die echte Pausen und ausgewogene Mahlzeiten ermöglichen.
Der politische Prüfstein wird sein, ob aus der neuen Zusammenarbeit messbare Verbesserungen entstehen. Gute Prävention braucht Wissen und Strukturen, die dieses Wissen im Alltag nutzbar machen. Genau darin liegt die Chance des Parlamentskreises: Gesundheit könnte stärker als gemeinsame Aufgabe verstanden werden, die über Arztpraxen, Therapeuten und Krankenkassen hinausgeht.
Deutschland hat Nachholbedarf
Dass Prävention politisch an Bedeutung gewinnt, kommt nicht zufällig. Der Public Health Index 2025 von AOK-Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum bewertet Deutschland in zentralen Präventionsfeldern schwach. Besonders in den Bereichen Tabak, Alkohol und Ernährung liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf hinteren Rängen, beim Thema Bewegung nur im unteren Mittelfeld.
Auch der Blick auf die Lebenserwartung zeigt Handlungsdruck. Laut OECD-Länderprofil 2025 lag die Lebenserwartung in Deutschland im Jahr 2024 bei 81,5 Jahren und damit leicht unter dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig zählt Deutschland zu den Ländern mit sehr hohen Gesundheitsausgaben. Prävention wird damit auch zu einer Frage, wie Gesundheitssysteme künftig entlastet und Lebensqualität früher gestärkt werden können.
Inhalt
Autorin
von Ernährungswandel
Was ist eigentlich Ernährungsprävention?
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