
Antibiotika auf dem Prüfstand: Warum der steigende Verbrauch uns alle betrifft
Antibiotika auf dem Vormarsch
Viele Menschen suchen ärztliche Hilfe, wenn sie an Erkältungssymptomen leiden. In zahlreichen Fällen werden Antibiotika verschrieben, obwohl die Ursache der Beschwerden oft viral ist. Da Antibiotika jedoch nur gegen Bakterien wirken, sind sie in solchen Fällen wirkungslos. Dennoch kommt es regelmäßig zu vorschnellen Verordnungen ohne genaue Diagnose, was zu einer erhöhten und nicht immer notwendigen Einnahme führt.
Diese Entwicklung ist besorgniserregend, denn der übermäßige Gebrauch von Antibiotika fördert die Entstehung resistenter Bakterien. Dies stellt eine zunehmende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, da Infektionen mit resistenten Keimen schwerer zu behandeln sind.
Wachsende Verschreibung von Antibiotika: Ein Problem mit vielen Facetten
Der Verbrauch von Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2023 das dritte Jahr in Folge gestiegen. Eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass 36,1 Millionen Packungen verordnet wurden – ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Besonders alarmierend ist der zunehmende Einsatz von Reserveantibiotika, die als letzte Option zur Bekämpfung multiresistenter Keime gelten.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten aus 2024 des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass die Liste multiresistenter bakterieller Krankheitserreger in Deutschland nun 26 relevante Erreger-Resistenz-Kombinationen umfasst.
Dies verdeutlicht, wie dringend eine verantwortungsvolle Antibiotikaanwendung erforderlich ist. Antibiotikaresistente Bakterien verursachen weltweit jährlich etwa 1,27 Millionen Todesfälle. Prognosen deuten darauf hin, dass bis 2050 über 39 Millionen Todesfälle auf Antibiotikaresistenzen zurückzuführen sein könnten.
Antibiotika – Wichtige Medikamente mit Bedacht einsetzen
Antibiotika gehören zu den größten Errungenschaften der modernen Medizin und sind bei bakteriellen Infektionen essenziell. Sie retten jedes Jahr Millionen von Leben, insbesondere bei Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Blasenentzündungen oder Sepsis.
Die Herausforderung liegt in der übermäßigen und falschen Anwendung. Durch unsachgemäße Verschreibungen – etwa bei viralen Infektionen, gegen die sie wirkungslos sind – steigt das Risiko von Resistenzen. Deshalb ist es entscheidend, dass Ärztinnen und Ärzte vor einer Verschreibung klären, ob tatsächlich eine bakterielle Infektion vorliegt. Ein gezielter und zurückhaltender Einsatz kann dazu beitragen, die langfristige Wirksamkeit dieser Medikamente zu sichern.
Alternative Wege: Wie kann man Infektionen vorbeugen?
Die steigende Antibiotikaverschreibung macht deutlich, dass es effektive Alternativen zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen braucht. Hier kommen insbesondere die Stärkung des Immunsystems und natürliche antimikrobielle Wirkstoffe ins Spiel.
Immunsystem stärken durch Ernährung und Lebensstil
Ein starkes Immunsystem kann viele Infektionen bereits im Keim ersticken. Hier einige wichtige Maßnahmen:
- Vitamin- und Mineralstoffreiche Ernährung: Obst und Gemüse liefern essenzielle Nährstoffe wie Vitamin C, Zink, Magnesium und Antioxidantien.
- Bewegung und frische Luft: Sport und regelmäßige Spaziergänge unterstützen die Immunabwehr.
- Gesunder Schlaf: Ausreichend Schlaf stärkt die Immunantwort.
- Stressmanagement: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem – Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen.
Natürliche Alternativen mit antibiotischer Wirkung
Mehrere pflanzliche Stoffe besitzen antimikrobielle Eigenschaften, die als Unterstützung bei leichten Infektionen dienen können:
- Kurkuma: Enthält Curcumin, das antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt und das Wachstum von Bakterien wie Staphylococcus aureus hemmen kann.
- Cistrose (Cistus incanus): Reich an Polyphenolen mit starker antibakterieller und antiviraler Wirkung, traditionell als Tee zur Stärkung des Immunsystems genutzt.
- Knoblauch: Enthält Allicin, das gegen Bakterien wirkt.
- Ingwer: Hat entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften.
- Honig (besonders Manuka-Honig): Besitzt starke antibakterielle Wirkung.
- Oregano-Öl: Enthält Carvacrol, das effektiv gegen Bakterien eingesetzt wird.
- Echinacea: Wird oft zur Unterstützung des Immunsystems bei Infekten eingesetzt.
Fazit: Ein bewusster Umgang mit Antibiotika ist entscheidend
Der steigende Antibiotikaverbrauch in Deutschland ist eine besorgniserregende Entwicklung. Während Antibiotika in bestimmten Situationen unverzichtbar sind, zeigt sich immer deutlicher, dass eine präventive Gesundheitsstrategie entscheidend ist. Eine bewusste Lebensweise, natürliche Alternativen und eine kritische Reflexion der Verschreibungspraxis können helfen, Resistenzen einzudämmen und die Wirksamkeit dieser lebensrettenden Medikamente langfristig zu erhalten.
Quellen
- https://www.wido.de/forschung-projekte/arzneimittel/arzneimittelverbrauch/
- https://www.aerzteblatt.de/news/antibiotikaverbrauch-in-deutschland-das-dritte-jahr-in-folge-gestiegen-8b4b0516-ec63-49f9-8a76-d39d5fc5f4ad
- Robert-Koch-Institut - Epidemiologisches Bulletin 35 2024, 29.08.2024
- https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01867-1/fulltext